Tatsächlich ist die Idee, Bakterieninfektionen mit Viren zu behandeln über 100 Jahre alt: Im Jahr 1919 wurde die sogenannte Phagentherapie erstmals eingesetzt, geriet allerdings aufgrund des Aufstiegs der Antibiotika in Vergessenheit. Das könnte sich allerdings ändern, da antimikrobielle Resistenzen (AMR) zu den größten globalen Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit zählen und neue Therapiemöglichkeiten dringend gesucht sind – und zwar weltweit.


Background

Antibiotika resistente Bakterien untergraben die Wirksamkeit der moderner Medizin - Operationen und Therapien werden erheblich riskanter. Allein im Jahr 2021 wurden weltweit rund 4,71 Millionen Todesfälle mit bakterieller AMR in Verbindung gebracht; 1,14 Millionen davon direkt von multiresistenten Keimen. Hält dieser Trend an, könnten bis 2050 mehr als 39 Millionen Menschen an AMR sterben. Auch deswegen haben die Vereinten Nationen 2024 in einer politischen Erklärung AMR erneut als globale Priorität bestätigt und zu dringendem, koordiniertem Handeln aufgerufen. Vor diesem Hintergrund rückt die Phagentherapie wieder in den Fokus. Dabei handelt es sich um Viren, die gezielt Bakterien angreifen und töten. In der Natur spielen die sogenannten Bakteriophagen eine entscheidende Rolle im Aufrechterhalten eines ökologischen Gleichgewichts durch Regulierung von Bakterienpopulationen. Das kann bei bakteriellen Infektionen therapeutisch genutzt werden.

Allerdings wird die Phagentherapie in Deutschland nur sehr selten eingesetzt - und zwar als magistrale Rezeptur (patientenindividuell hergestellte Präparate). Grund hierfür könnte sein, dass bislang noch hochwertige Evidenz aus randomisierten Forschungstätigkeiten fehlt – doch klinische Studien laufen derzeit und erste Zulassungen von Phagen-Medizin könnte in drei bis fünf Jahren kommen.i


Alte Idee neu entdeckt

Die Einführung der Antibiotika in den 1940er Jahren, ein mangelnder Kenntnisstand über die Biologie der Viren und auch Herstellungsprobleme führten dazu, dass in Westeuropa die Phagentherapie als therapeutisches Konzept nicht weiterverfolgt wurde. In der Sowjetunion hingegen war das anders. In Georgien ist die Phagentherapie bspw. bis heute verbreitet. Angesichts der wachsenden AMR-Problematik wächst nun auch hierzulande das Interesse daran, am „guten“ Virus.

Seit 2015 ist die Zahl der weltweiten Phagen-Studienstarts von 0 auf 14 im Jahr 2022 gestiegen und im Mai 2025 gab es insgesamt 33 laufende, klinische Studien von denen sich 23 in Phase-1 oder in der Kombi aus Phase-1 und Phase-2 befinden; die restlichen 10 Studien sind nicht offengelegt.ii


Studienlage